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ich kann gar nicht malen

 

Die Erzieherin im Kindergarten, in den ich früher ging, erklärte eines Tages meiner Mutter warum ich mal wieder Bauchweh hatte und nicht in den Kindergarten gehen wollte. 'Ich weiß warum Monika Angst hat zu kommen: gestern habe ich angekündigt, dass wir heute malen werden, und sie denkt, sie kann es nicht.'

 

Ich weiß nicht, wie malen im Kindergarten damals aussah, aber ich bin doch einigermaßen erschrocken, als mir meine Mutter vor noch nicht allzu langer Zeit davon erzählte.

 

Verrückt ist aber, daß  sich das Bauchweh-Gefühl fortsetzte.  Irgendwie konnte ich die schulischen Anforderungen nicht erfüllen. Oft gab ich als eine der Letzten der Klasse das Bild zur Benotung ab. Wer so gar nicht fertig wurde, durfte es schließlich mit nach hause nehmen. Dort hat mir dann meine Mutter oft geholfen ein Bild zu 'retten'. Irgendwie mit Deckweiß korrigieren, übermalen, manchmal komplett neu malen, immer mit viel Stress und Druck verbunden.

Auf dem Gymnasium ging es weiter so ...die Hilfe meiner Mutter und immer wieder dieses Gefühl von ich-kann-es-nicht.

 

Später studierte ich Sonder-und Heilpädagogik und musste mich dafür zusätzlich für ein Studienfach entscheiden, in dem ich für das Unterrichten ausgebildet werden sollte. Ich wählte Kunstpädagogik!

Ich wusste, es ist irgendwie absurd, aber es hat mich sehr dahin gezogen.

 

Die ersten Semester waren eine Wiederholung meiner Kindergarten- und gesamten Schullaufbahnerfahrung: ich kann es irgendwie nicht und quäle mich so durch.

Erstes Semester: Zeichnen. Ich zeichnete und zeichnete ...musste zum Schluß meine Arbeiten vorzeigen und fiel durch. Nochmal machen bitte! Meine Mutter half mir, danach hat's geklappt.

Zweites Semester: Malerei...same procedure...nur diesmal ohne Durchfallen, weil ich gleich meine Mutter zu Rate gezogen habe...

Drittes Semester: Dreidimensionales Gestalten. Wow, das war Meins! Das ging. Das Haptische, anfassen, fühlen, drehen, von allen Seiten betrachten, verschiedene Materialien entdecken und bearbeiten, Stein, Holz, Ton, das hat mich fasziniert.

 

Beim Dreidimensionalen bin ich geblieben mit meinen Frauenfiguren. Das  Material hat sich geändert.

 

Aber: Parallel zu den ganzen 'Frusterfahrungen' habe ich zu hause immer gern gemalt, gezeichnet, gekrikelt und gekrakelt. In meiner eigenen Welt habe ich einfach drauflos gemalt. Muster, Linien, Flächen, Ornamente. Stapelweise musste mein Vater Schmierpapier von seiner Arbeit mitbringen, damit ich immer weiter machen konnte. Später, während des Studiums lag immer ein kleiner Block auf meinem Schreibtisch und ein paar Farben. Aquarellfarben, Wachsmalkreiden, irgendwas das nicht viel Platz einnahm.

 

Auch da habe ich drauflos gemalt. Immer abstrakt, und entweder mit der Intention meinen Befindlichkeiten Raum zu geben oder einfach loszulegen ohne etwas zu wollen. Wild und chaotisch, manchmal ganz zärtlich führte ich den Pinsel über das Papier. Wunderbar. Nur für mich. Mir Raum nehmen, Luft verschaffen.  Nicht Können-Müssen, nur Wollen was gut tut. Spüren was ich brauche. Hier habe ich mir das Recht genommen einfach nur zu Sein. Mir keine Gedanken gemacht ob das gut ist oder nicht, nicht auf Applaus gewartet oder gehofft.

 

Heute weiß ich, daß dies eine Fähigkeit ist, die ich letztenendes trainiert habe, wie einen Muskel. Das weiß ich heute sehr zu schätzen. Dieses 'Können' ist heute  eine starke Wurzelkraft, die mich und meine Arbeit nährt und stärkt.